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Die historische Entwicklung des Mariinskij-Krankenhauses:

 

Im Jahre 2003 wird das Mariinskij-Krankenhaus in St. Petersburg 200 Jahre alt. Dieses Krankenhaus am Litejnij Prospekt ist eine der ältesten Heilanstalten der Stadt. Es wurde in einem speziell dafür errichteten Gebäude eröffnet.
Dies  ist - in Kürze - seine Geschichte:

Im Jahre 1802 brachte Maria Fjodorowna, die Witwe von Paul I., ihren Sohn, den Zaren Alexander I., auf die Idee, zum 100 - jährigen Jubiläum der Hauptstadt ein Krankenhaus für Arme zu errichten. Der Auftrag zur Ausführung des Krankenhausprojektes wurde dem Hofarchitekten Giacomo Quarenghi, der u.a. auch das Eremitage-Theater und die Akademie der Wissenschaften entwarf, erteilt. Die Bauarbeiten begannen am 28. Mai 1803 mit der Grundsteinlegung der St. Pauls - Kirche. Das zweistöckige Krankenhausgebäude mit der Kirche in der Mitte, sowie einem zentralen Korridor mit Krankenzimmern an beiden Seiten wurde im Frühling 1805 fertiggestellt, die Eröffnung jedoch wurde auf den 30. August (St. Alexandertag) verlegt.

Das Krankenhausgebäude zeichnet sich durch vornehme Schlichtheit und die eleganten Proportionen der klassischen Architektur aus. Auch die Ausgestaltung der Innenräume wurde sorgfältig durchdacht. Die Krankenzimmer wurden mit dicken Wänden voneinander getrennt, damit die Patienten einander nicht störten. Selbst im grössten Krankenzimmer standen nicht mehr als 15 Betten. Das Korridorprinzip, nach europäischer Art geplant, ist bis heute nicht veraltet.

Bald nach der Eröffnung wurde das Krankenhaus zu einer praktischen Ausbildungsstätte für junge Ärzte aus der medizinisch-chirurgischen Akademie. Indessen beschränkten sich die Behandlungsmöglichkeiten in dieser Zeit auf einfache Massagen, Aderlässe und die Anwendung von Spanischer Fliege und Blutegeln. Sehr verbreitet als Heilmittel waren Volksmedizin und Quacksalberei.

Seit 1814 wurden sogenannte "barmherzige Witwen" zur Krankenpflege herangezogen, die vom Haus der Witwen hier eingesetzt wurden. Die Krankenhausanweisung bezüglich ihres Dienstes lautete: "Der Dienst ist nicht schwer, aber wichtig für die Patienten und erfordert einen guten Verstand und viel Geduld." Diese Witwen waren bekleidet mit einem dunkelfarbigen Kleid und trugen ein goldenes Kreuz an grünem Band um den Hals. Auf der einen Seite des Kreuzes stand um das Bildnis der Mutter Gottes herum geschrieben: 'Freude allen, die sich grämen', und auf der anderen Seite stand nur ein Wort: 'Barmherzigkeit'.

Ein Teil des ehemaligen Italienischen Gartens, der auf dem Krankenhausgelände gelegen war, diente nicht nur Rekonvaleszenten als Ort für Spaziergänge, sondern erbrachte auch ein beträchtliches Einkommen. Bis 1836 existierten Treibhäuser, und bis etwa 1860 Gemüsefelder, wo Obst und Gemüse angebaut wurden.

Nach dem Tod der Zarin Maria Fjodorowna im Oktober 1828 erhielt das Krankenhaus ihr zu Ehren den Namen " Mariinskij".

Von Anfang an waren Schweden in der Position von Chef- und Oberärzten, aber hauptsächlich bestand das ärztliche Personal aus Deutschen, die manchmal sogar nicht einmal russisch sprachen. Krankenblätter führte man lange auf deutsch und lateinisch. Bis 1866 waren die Namen der Patienten nur auf deutsch eingetragen. Dies hatte jedoch auch einen besonderen Sinn: 'Die Bezeichnung der Krankheit und der verordneten Medikamente waren absichtlich llateinisch auf eine Schiefertafel geschrieben, die direkt über dem Kopf der Patienten hing. Dies wurde so gemacht, damit er nichts über seine Gefährdung erfuhr.' Trotz diesem Festhalten an alten Gewohnheiten bahnten sich einzelne Vertreter der russischen Medizin ihren Weg. Einer von ihnen war der hervorragende russische Chirurg I. Bujalskij, der die chirurgische Abteilung des Krankenhauses leitete. Vieles, was dank Bujalskij in der Chirurgie neu eingeführt wurde, wurde im Mariinskij-Krankenhaus entwickelt. Hier fanden die meisten seiner Operationen auf verschiedenen Gebieten statt, von plastischen und orthopädischen Operationen bis zu Hernien und Lithotomien. Im Laufe seines Lebens führte Bujalskij mehr als 2000 grosse Operationen durchgeführt - in dieser Zeit eine fantastische Anzahl; dabei war er dem Prinzip treu, das er in einem seiner Postulate zum Ausdruck brachte: 'Es ist leicht einen Arm oder ein Bein zu amputieren, aber noch nie gelang es einen irrtümlich amputierten Arm oder Bein wieder anzunähen. Daher: überlege siebenmal und schneide einmal!'

Ende 1854, während des Krimkrieges, wurden auf eigenen Wunsch 7 Sanitäter und 30 Barmherzige Witwen aus dem Krankenhaus an die Front geschickt. Der grosse russische Chirurg Prirogov schrieb darüber: 'Der beste Beweis für ihre Selbstlosigkeit ist, dass 12 Witwen ihr Leben verloren, nachdem sie sich beim Dienst im Hospital infizierten und krank wurden.'

Im Jahre 1884 wurde Botkins Schüler W. Alischewskij Chefarzt. Unter seiner Leitung wurde das Krankenhaus praktische Ausbildungsstätte für junge Ärzte aus der Militärmedizinischen Akademie, die man 'Interne' nannte. Die 'Internen' erhielten kein grosses Gehalt, dafür im Krankenhaus Kost und Logis, d.h. sie lebten direkt im Krankenhaus. Sie waren Assistenten der Ärzte, führten kleinere Operationen durch, verbanden Wunden, führten Krankenblätter u.s.w.

Das Mariinskij-Krankenhaus nahm als eines der ersten in der Stadt den Kampf mit den Epidemien auf, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts Petersburg heimsuchten. Während der Cholera 1831-1832 zeichnete sich die Bedienstete Wassiljeva aus, 'als erste, die ein Beispiel für die Pflege von Cholerakranken gab.' Während der Typhusepidemie 1846 war der Ansturm der Kranken so gross, dass das Krankenhaus gezwungen war, täglich viele Patienten abzuweisen. Während der Choleraepidemie 1870-1873 gab es keine Freiwilligen, die sich um die Kranken kümmern wollten, und so kommandierte der Stadtoberpolizeimeister auf Bitten des Krankenhauses Polizisten dafür ab.

Im Frühling 1845 begann man auf dem Gelände des Gemüsegartens nach den Plänen des Architekten A. Bryllov (einem Bruder des Malers K. Bryllov) ein neues Gebäude zu errichten. Es wurde 1848 als Spezialabteilung des Mariinskij-Krankenhauses in Betrieb genommen und erhielt den Namen "Alexandrinskaja-Frauenkrankenhaus". Dem Historiker P. Stolpjanskij zufolge wurde die frühere Schestilavotschnaja-Strasse, an der die neue Abteilung liegt, in Nadjeschdinskaja (Hoffnung) -Strasse umbenannt, weil Leute hierher kamen 'mit der Hoffnung gesund zu werden.'

Im Jahre 1891 wurden neben dem Alexandrinskaja-Krankenhaus wegen der steigenden Zahl von ambulanten Patienten Ambulanzgebäude gebaut, in die innerhalb eines Jahres Praxen für Chirurgie und Innere Medizin einzogen. Im Februar 1905, anknüpfend an das 100-jährige Jubiläum, wurde das letzte Gebäude auf dem Krankenhausgelände vollendet, ein zweistöckiges Gebäude für die Isolierstation.

In jeder Krankenhausabteilung gab es kleine Bibliotheken für die Patienten, und mit Hilfe einer Laterna magica wurden Lichtbilder vorgeführt. Die Bibliothek für Ärzte war im Untergeschoss des Hauptgebäudes untergebracht und zählte im Jahre 1914 7344 Bände.

Das Krankenhaus wurde neben seinem eigenen Kapital von der Staatskasse unterstützt. Auch ein reicher Ehrenvorstand half dem Krankenhaus materiell und moralisch. 1832-1839 war dies der berühmte Komponist und Mäzen M. Wielgorskij, danach der Prinz P. G. von Oldenburg, der alles Fortschrittliche in der russischen Medizin unterstützte. Im Februar 1844 wurde auf Initiative des Prinzen von Oldenburg eine Krankenpflegeschule mit dreijähriger Ausbildung gegründet. P. von Oldenburg selbst kaufte für das Krankenhaus verschiedene Arzneimittel, Sessel, Tragbaren und konstruierte persönlich ein spezielles hydraulisches Bett mit Gummimatratze für Patienten mit Dekubitus (wundgelegenen Stellen).

Im Jahre 1889 wurde vor der Eisenumzäunung auf dem Granitpostament eine Skulptur von P. von Oldenburg zum Andenken an seine fürsorgliche Tätigkeit aufgestellt. Später in der Sowjetzeit wurde an dieser Stelle eine Asklepios-Schlange, das traditionelle Symbol der Medizin, aufgestellt, die Skulptur aber ging verloren.

Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurden viele Ärzte des Krankenhauses an die Front geschickt, und das Krankenhaus selbst nahm Verwundete auf. Während der Februarrevolution 1917 wurden die Verletzten der Strassenkämpfe hierher gebracht, weswegen es 1918 die Bezeichnung 'Krankenhaus zum Gedenken an die Opfer der Revolution' erhielt.

In den ersten Jahre der Sowjetmacht wurde das Krankenhaus eine klinische Basis des 'Institutes zur Vervollkommnung der Ärzte'. Es entstanden neue Abteilungen für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen, Urologie, Innere Medizin, Chirurgie. Eine Tuberkulose-Station wurde eröffnet. 1930 wurde eine Blutbank organisiert. 1937 wurde die erste Abteilung für Traumatologie in der Stadt geschaffen.

Während des zweiten Weltkrieges und der Blockade wurden im Krankenhaus selbständige spezialisierte Hospitäler und Abteilungen gegründet, auf der Basis der sogenannten 'mobilen Betten', die von der Leningrader Gesundheitsbehörde bereitgestellt wurden. 785 solche Betten gab es hier für die Verletzten aus der Zivilbevölkerung der belagerten Stadt. Bomben und Artilleriegeschosse beschädigten Operationssäle und das Neurochirurgische Institut, einige Abteilungen, Küche, Wäscherei u.a. Zentralheizung und Stromversorgung waren beschädigt., Im Winter sank die Temperatur in den Krankenzimmern auf 0 C . Man holte Wasser in Eimern aus der Fontanka, als Brennholz benutzte man Wände von zerstörten Häusern. Während der Blockade kamen viele Mitarbeiter ums Leben, vor Erschöpfung oder durch die Beschiessung. Doch das Krankenhaus unterbrach seine Arbeit nicht für einen Tag.

Nach dem Krieg wurden die zerstörten Gebäude wiederaufgebaut, Gemüsegarten und Nebenbetriebe auf dem Krankenhausgelände wurden abgeschafft. Im Jahre 1955 wurde im Krankenhaus die 6.Krankenpflegeschule eröffnet Hier werden bis heute qualifizierte Krankenschwestern und andere medizinische Mitarbeiter ausgebildet. 1997 wurde in dieser Schule eine Abteilung für die Ausbildung orthodoxer Krankenschwestern eröffnet.

Trotz seines beträchtlichen Alters ist das Mariinskij-Krankhaus heute eine Klinik mit breitem Behandlungsspektrum und einer Kapazität von mehr als 1000 Betten. Das Mariinskij-Krankhaus ist eine Klinik vom Pavillontypus. Im historischen Zentrum der Stadt auf einem Gelände von 6,2 ha gibt es 15 Gebäude, in denen 18 klinische und 20 Hilfsabteilungen untergebracht sind. Heute arbeiten im Krankenhaus etwas mehr als 1000 Menschen. Das Mariinskij-Krankenhaus ist die Basis der Ersten Hilfe und Grundversorgung für die Bevölkerung des Stadtzentrums, wo mehr als 500000 Menschen leben.

In unserem Krankenhaus sind praktisch alle gängigen medizinischen Fachrichtungen vertreten: Abdominalchirurgie, Thoraxchirurgie, Urologie, Gynäkologie, Otolaryngologie, Neurologie, Neurochirurgie, Innere Medizin mit den Teilgebieten Gastroenterologie, Kardiologie, Pulmonologie und Endokrinologie, Ophthalmologie, Blutbank. Jedes Jahr werden in unserem Krankenhaus mehr als 40000 Patienten behandelt (ein Drittel davon ambulant). In den chirurgischen Abteilungen ( das sind mehr als 600 Betten), werden jedes Jahr etwa 12000 Operation durchgeführt, wobei die Behandlungsergebnisse über dem Durchschnitt der Stadt liegen.

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